Tag 6

12.03.2025 04:26

...aus dem nichts geworden ist.

Denn eigentlich wollte ich ja noch einmal den ganzen Tag mithelfen und im Lager Hilfsgüter verteilen, doch Nikos hatte andere Pläne mit mir. Zuerst habe ich mich ja, muss ich ehrlich zugeben, sogar ziemlich geärgert über diese Programmänderung, doch so nach und nach wurde mir bewusst, was es damit auf sich hatte.

Nikos ist mit mir nach Skála Sikaminéas gefahren, jenem paradiesischen Ort, wo die Entfernung zur Türkei am kürzesten ist. Mein Freund berichtete mir, dass seit dem Beginn der Flüchtlingskrise im Jahr 2015, also seit zehn Jahren, allein hier an diesem Ort, mehr als eine Million geflüchtete Menschen angekommen sind. Niemand kann jedoch sagen, wieviele Menschen, auch Kinder, auf diesen wenigen Kilometern zwischen der Türkei und Griechenland im Meer ertrunken sind.

Ich fragte Nikos natürlich, wie die wenigen Dorfbewohner dazu stehen und wie aus sder Pistole geschossen kan seine Antwort: Die Stimmung ist nie gekippt. Die wenigen Dorfbewohner nehmen die Menschen immer noch liebevoll auf und versorgen sie mit Wasser und Lebensmitteln, bevor sie ins Flüchtlingslager transportiert werden. Spätestens jetzt war ich heilfroh und meinem Freund dankbar, für seine spontane Programmänderung.

Die kleine, malerische gelegene Kapelle über dem Hafen ist ein schönes Beispiel für die Verknüpfung antiker Mythen mit der christlichen Religion. Das Kirchlein ist nämlich einer Art Meerjungfrau mit Mariengesicht geweiht, die einst hier aufgetaucht sein soll. Überall im Ort begegnet man auch diesen Bildern. Auf Wänden in Form eine Mosaiks, auf Tavernentischen...

Am Strand dieses Ortes, der mit so vielen menschlichen Schicksalen verbunden ist, habe ich schließlich auch gefunden, wonach ich seit meiner Ankunft gesucht habe. Einen Stein, den meine liebe Freundin Brigitte Baldrian mit einer Friedenstaube bemalen wird und den ich dann bei meiner nächsten Benefizveranstaltung gegen eine freiwillige Spende verschenken werde.

Nach diesem Ausflug ist Nikos über Agía Paraskeví direkt zum Olivengarten gefahren, dort wurden die prall gefüllten Säcke ins Auto geladen, danach ging es direkt zur Ölmühle, wo ich das erste Mal miterleben durfte, wie aus den Oliven Öl wird.

Am späten Nachmittag haben wir gemeinsam mit Günther ein letztes Mal vor meiner Abreise in der Taverne Xana Mana herrlich gespeist.

Zum heutigen Abschied hat mir Nikos noch ein kleines Fläschchen seines frisch gepressten Olivenöls geschenkt. Am Abend, kurz vor dem Schlafengehen, habe ich Weißbrot in dieses frische Öl eingetunkt und war mit einem Male im Paradies. Ein wunderschöner Abschluss.

 

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