Tag 2
Die Unsicherheit hat Gott sei Dank nicht lange gedauert, denn schon heute am Vormittag hat mich Nikos angerufen und mir mitgeteilt, dass der LKW der Spedition bereits auf uns wartet. Was für eine Freude! Meine Freunde haben mich gleich daraufhin abgeholt und wir sind gemeinsam zum Entladeplatz gefahren.
Und jetzt kommt die wunderbare, gute Nachricht: Mit jeder Palette, die abgeladen wurde, wurde die Freude größer und größer und als alle 14 Paletten abgeladen waren, hatte ich ein glückstrahlendes Gesicht, denn absolut nichts ist zu Bruch gegangen, kein einziges Stück hat Schaden genommen und alles, aber auch wirklich alles ist unversehrt angekommen.
Und noch eine weitere gute Nachricht: Da die Hilfsgüter schon heute angekommen sind, habe ich jetzt umso mehr Zeit mit der Verteilung und kann schon morgen im Flüchtlingslager damit beginnen - als erstes bekommen meine so sehr und innig geliebten Flüchtlingskinder Süßigkeiten und Schokoladen. Katerina hat jetzt für längere Zeit hochwertigste Nudeln und kann damit beste Gerichte für die Menschen im Lager zubereiten.
Nach dem Abladen haben mir meine Freunde noch ihre Olivenbäume gezeigt - die Ernte ist gerade voll im Gang. Überall sind Netze ausgebreitet. Es wurde mir erstmals so richtig bewusst, was für eine harte Knochenarbeit die Olivenernte ist.
Und noch etwas wurde mir ganz intensiv bewusst. Es ist ein Gefühl, das sich in meinem Herzen immer stärker ausgebreitet hat. Ein Gefühl, das mich innerlich fast zerreißt und mit dem ich noch überhaupt nicht umgehen kann. Gleichzeitig befinde ich mich nämlich im Paradies und in der Hölle.
Hier der Garten Eden, der in vollster, schönster buntester Blütenpracht erblüht und nur wenige Kilometer davon entfernt die Hölle des Flüchtlingslagers.
Als krönenden Abschluss gab es nach getaner Arbeit dann noch ein wundervolles Essen in der Taverne Xana Mana, wo wir auch schon die Pläne für nächsten Tage besprochen haben.