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Kalimera, meine lieben Freunde!
Herzlich willkommen bei meinem Blog, auf dem ich Euch ab heute von meiner Reise berichten werde. Offen, ehrlich und wie Ihr es von mir gewohnt seid, sehr persönlich. Ich werde auch über meine Gefühle berichten. Es wird keine leichte Zeit und es werden wohl einige Tränen dabei sein. Tränen der Traurigkeit und Tränen des Zorns - ich kenne das von meinen letzten Reisen nach Lesbos. Es werden aber hoffentlich auch wieder Tränen der Freude dabei sein. Dann nämlich, wenn ich Süßigkeiten und Schokoladen im Lager austeilen darf und in glückstrahlende Kindergesichter blicke.
Viele Dinge sind noch im Ungewissen. Es wird spannend, wann die Zustellung erfolgen wird. Versprochen wurde mir der Zeitraum zwischen 7. und 10. März. Dann 4000 Kilo händisch abladen mit der Hilfe von Menschen aus dem Flüchtlingslager, alles korrekt zuordnen und dann erst können wir mit der Verteilung beginnen.
Ich lasse das alles erst einmal auf mich zukommen. Eins steht jedoch fest, und zwar, dass heute ein langer Tag auf mich zukommt. Um 03:00 Uhr bin ich aufgestanden - allerletzte Vorbereitungen - Autofahrt zum Bahnhof St. Valentin - Flughafen Wien - Flug nach Athen - drei Stunden warten auf den Anschlussflug nach Mytilini und wenn alles gut verläuft, sollte ich um 18:00 Uhr ankommen. Dann freue ich mich auf das Wiedersehen mit meinen Freunden und Projektpartnern Katerina und Nikos, vielleicht auf ein gemeinsames Essen und wenn ich es irgendwie noch schaffe, dann melde ich mich am Abend noch einmal bei Euch.
Am Flughafen Wien musste ich zweieinhalb Stunden warten. Was tut Jorgos in so einem Fall? Herumschlendern. Leute beobachten. Bummeln. Im riesengroßen „Duty Free Shop“ habe ich etwas entdeckt, das mich zum Schmunzeln brachte – und ich habe einen Augenblick lang überlegt, ob ich bei einem dieser einmaligen Schnäppchen nicht dochzugreifen sollte. Der 40 jährige Hibiki wäre doch was gewesen, der 50 jährige Benriach oder der ebenso alte Bowmore ebenso. Whiskys – speziell Single Malt Whiskys haben es mir angetan, seit ich vor vielen, vielen Jahren während einer Dienstreise nach Schottland Edradour, kleinste Whisky Destillerie der Welt, besuchte und eine Reportage darüber geschrieben habe. Getrunken habe ich in meinem Leben ja noch nie einen Whisky, anschauen genügt auch…
Am liebsten hätte ich ja alle drei mitgenommen und heute am Abend eine Party geschmissen. Na, das wär´ was gewesen. Der freundliche Verkäufer hätte mir – ebenso schmunzelnd wie ich – sogar 10% Discount angeboten.
Die Reise ist gut verlaufen. Ich bin pünktlich um 18:00 Uhr auf Lesbos am Flughafen angekommen und wurde von meinen Freunden in Empfang genommen, herzlichst begrüßt, umarmt und abgebusselt.
Dann haben wir gemeinsam auch noch gut gegessen und unser Wiedersehen ein kleines bisschen gefeiert.
Am ersten Tag ist also alles gut gegangen. Jetzt werde ich mich erst einmal niederlegen und hoffentlich auch halbwegs gut schlafen. Bis morgen. Kalinichta, meine lieben Freunde!
Die Unsicherheit hat Gott sei Dank nicht lange gedauert, denn schon heute am Vormittag hat mich Nikos angerufen und mir mitgeteilt, dass der LKW der Spedition bereits auf uns wartet. Was für eine Freude! Meine Freunde haben mich gleich daraufhin abgeholt und wir sind gemeinsam zum Entladeplatz gefahren.
Und jetzt kommt die wunderbare, gute Nachricht: Mit jeder Palette, die abgeladen wurde, wurde die Freude größer und größer und als alle 14 Paletten abgeladen waren, hatte ich ein glückstrahlendes Gesicht, denn absolut nichts ist zu Bruch gegangen, kein einziges Stück hat Schaden genommen und alles, aber auch wirklich alles ist unversehrt angekommen.
Und noch eine weitere gute Nachricht: Da die Hilfsgüter schon heute angekommen sind, habe ich jetzt umso mehr Zeit mit der Verteilung und kann schon morgen im Flüchtlingslager damit beginnen - als erstes bekommen meine so sehr und innig geliebten Flüchtlingskinder Süßigkeiten und Schokoladen. Katerina hat jetzt für längere Zeit hochwertigste Nudeln und kann damit beste Gerichte für die Menschen im Lager zubereiten.
Nach dem Abladen haben mir meine Freunde noch ihre Olivenbäume gezeigt - die Ernte ist gerade voll im Gang. Überall sind Netze ausgebreitet. Es wurde mir erstmals so richtig bewusst, was für eine harte Knochenarbeit die Olivenernte ist.
Und noch etwas wurde mir ganz intensiv bewusst. Es ist ein Gefühl, das sich in meinem Herzen immer stärker ausgebreitet hat. Ein Gefühl, das mich innerlich fast zerreißt und mit dem ich noch überhaupt nicht umgehen kann. Gleichzeitig befinde ich mich nämlich im Paradies und in der Hölle.
Hier der Garten Eden, der in vollster, schönster buntester Blütenpracht erblüht und nur wenige Kilometer davon entfernt die Hölle des Flüchtlingslagers.
Als krönenden Abschluss gab es nach getaner Arbeit dann noch ein wundervolles Essen in der Taverne Xana Mana, wo wir auch schon die Pläne für nächsten Tage besprochen haben.
Es kommt nicht so oft vor, dass mir vollkommen die Worte fehlen, doch nach dem heutigen Tag bin ich leider in dieser Situation und deshalb bitte ich Euch von ganzem Herzen um Euer Verständnis und Geduld, dass mein Tagesbericht erst Morgen in der Früh kommen wird.
Von ganzem Herzen wünsche ich Euch noch einen wunderschönen Samstagabend im Kreise Eurer Liebsten und schicke herzliche Grüße aus Mytilini.
Bis Morgen + Kalinichta.
Da bin ich wieder, wie versprochen. Kalimera.
Gestern am Abend habe ich noch lange nachgedacht. Ja, ich habe auch geweint. Tränen der Traurigkeit, der Betroffenheit, aber auch Tränen des Zorns und der Wut. Meine Nacht war voller furchtbarer Albträume. Immer noch bin ich innerlich so unsagbar aufgewühlt, dass mir eigentlich die Worte fehlen. So viele Jahre mache ich das schon und bei jedem meiner Hilfstransporte bin ich erneut davon überzeugt, dass es ja gar nicht möglich ist, dass die Lage und Situation der Menschen, speziell der Kinder, noch schlimmer wird. Und jedes Mal musste ich mich aufs Neue irren. Mit jedem Mal wurde und wird es tatsächlich noch schlimmer. Aber es war in meinen schlimmsten Befürchtungen und Vorausahnungen überhaupt niemals abzuschätzen, um wie viel sich die Situation seit meinem letzten Besuch im Mai vergangenen Jahren verschlimmert hat....
Dabei hat der gestrige Tag so friedlich begonnen. Ich durfte Günther, einen Deutschen aus dem Chiemgau, kennenlernen und es war auf den ersten Augenblick spürbar, dass wir exakt die selbe "Wellenlänge" haben. Und noch dazu auch fast den gleichen Dialekt sprechen. Günther ist jedes Jahr einige Male für längere Zeit hier, kocht für die Menschen im Lager und verbringt viel Zeit bei und mit ihnen dort. Ein neuer Freund ist in mein Leben getreten und dafür bin ich sehr dankbar.
Mit Nikos bin ich wieder in den Olivenhain gefahren, um den Arbeitern Benzin für die Rüttelmaschine zu bringen. Zwei Stunden war ich im Paradies.
Nach dem Paradies sind wir direkt in die Hölle gefahren.
Schon der erste Eindruck war beängstigend. Habe ich in den vergangenen Jahren immer wieder in Gesichter geblickt, die Hoffnung und Zuversicht erahnen ließen, so war es diesmal Gesichter der Resignation und Hoffnungslosigkeit. Eingepfercht in kleinen, schuhschachtelähnlichen Containerzelten, die außen zwar weiß, innnen jedoch ein schwarzes Loch sind, vegetieren bis zu zwei Familien mit bis zu vier Kindern in unmenschlichen Verhältnissen. Aus Angst bleiben die winzigen Luken meist verschlossen. Ein paar kleine Lüftungsschlitze lassen kaum Frischluft ins Innere dieser "Behausungen".
Nikos hat mir erzählt, dass viele Hilfsorganisationen und NGO´s diesen Ort des Grauens bereits verlassen haben. Kaum eine Zeitung, kaum ein Radiosender und kaum ein Fernsehsender berichtet mehr über diese "vergessenen" Menschen. Es gibt jetzt andere Schlagzeilen.
Ich muss zugeben, es hat mir die Kehle zugeschnürt. Wie kann man Menschen so etwas antun? Menschen, die vor Bomben, Gewehrkugeln, Terror, Folter... flüchten, voller Hoffnung und Zuversicht oft tausende Kilometer auf sich nehmen und unter unsäglichen Anstrengungen unterwegs sind und dabei das eigene Leben und das ihrer Familien und und Kinder riskieren, die Pushbacks, die es laut Nikos immer noch gibt, und Ertrinken in Kauf nehmen, landen in Lagern wie diesem.
Und immer wieder frage ich mich: Wie kann es möglich sein, dass man Menschen so etwas antut? Und wo bleibt die Würde dieser Menschen?
Über die Einzelschicksale, von denen mir berichtet wurde, kann und will ich hier nicht schreiben. Sie sind so unglaublich, so furchtbar, dass es für Kinder, die vielleicht auch diesen Bericht lesen, unverantwortlich wäre und ich es auch mit meinem Gewissen nicht vereinbaren kann.
Trotz allem wächst tief drinnen in meinem Herzen die Überzeugung und die Motivation, dass ich weitermachen werde, dass ich weitermachen muss und solange mir der liebe Gott die Kraft und Energie schenkt und die dazugehörigen notwendigen Wunder schickt, werde ich auch weitermachen. Das verspreche ich Euch.
Zum Abschluss will ich Euch ein doch noch recht versöhnliches Bild in Eure Herzen schicken.
Für den heutigen Tag habe ich mir ein paar Stunden Auszeit vorgenommen. Wenn ich es irgendwie schaffe, werde ich Euch am Abend darüber berichten.
Naja, ich habe es gestern am Abend dann doch nicht mehr geschafft. Ich bin am Abend einfach nur mehr ins Bett gefallen. Es war ein recht ausgefüllter Tag, der mich wieder versöhnlich gestimmt hat.
Um 08:00 Uhr hat mich Nikos mit dem Auto abgeholt und zum Startpunkt meiner Wanderung auf den Olymp gebracht. Mit jedem Schritt bergauf in dieser ruhigen, friedlichen, ja paradiesischen Umgebung, wurde auch ich wieder ruhiger, mein innerer Frieden kehrte zurück und wurde stärker, beim Anblick der erwachenden Natur kam ein Lächeln in mein Gesicht, ich betete viel, ja, und redete auch mit mir selbst, ich sprach mit Gott, fragte ihn dies und das und spürte Antworten.
Oben, am Gipfel, da war es zauberhaft schön. Die Sonne strahlte - ich strahlte - vielleicht strahlten wir sogar um die Wette - und für Euch alle und für alle Menschen, die dieses Licht brauchen, für alle, die ich Euch in so liebevoller Verbundenheit in meinem Herzen trage, habe ich in der Profitis Elias Gipfelkapelle ein Licht des Friedens, der unendlichen Liebe, der Herzverbundenheit, des Friedens und der Hoffnung angezündet. Möge Euch dieses Licht erreichen.
Nach Momenten der Ruhe und des Friedens beim Gipfelkreuz bin ich hinunter gewandert nach Agiasos.
In dem bezaubernden Ort, es ist einer der wichtigsten und meistbesuchten Wallfahrtsorte der Insel, bin ich gleich in die Marienkirche und habe dort wieder ein Licht für Euch, meine lieben Freunde angezündet.
Danach habe ich noch einen kurzen Rundgang durch den Ort gemacht. Obwohl Sonntag ist, waren viele der Geschäfte offen, die Kaffee´s alle voll. Fast alles Griechen, nur ganz vereinzelt habe ich Touristen gesehen.
Nikos hat mich abgeholt. Gemeinsam sind wir zu seinen Olivenbäumen gefahren, wo ich versucht habe, ein ganz kleines bisschen mitzuhelfen und wieder bemerkte, was für eine unglaublich harte Arbeit das ist. Alleine dieses Wissen lässt mich künftig jeden einzelnen Tropfen Olivenöl viel höher zu schätzen. Für diese neue Erfahrung bin ich unendlich dankbar.
Die Arbeiter haben wir dann noch zu ihren Autos gebracht und die prall gefüllten, schweren Olivensäcke in die Ölmühle, wo zu dieser Zeit auch am Sonntag gearbeitet wird. Nach getaner Arbeit und einem langen, erfüllten Tag sind wir noch in das Restaurant Martano, wo wir glücklich und zufrieden gespeist haben. Die Gemüselaibchen waren ein Traum.
Jetzt könnt Ihr meine Bemerkung "Ich bin am Abend einfach nur mehr ins Bett gefallen" zu Beginn dieser Geschichte bestimmt besser verstehen.
Und jetzt wartet ein neuer, bestimmt wieder sehr ereignisreicher Tag auf mich. Nikos wird mich gleich abholen, wir beginnen im Lager mit der Verteilung der Schuhe, müssen aber vorher anhand von Listen noch die richtigen Schuhgrößen heraussuchen, alles korrekt zuordnen und in Säcke packen - und natürlich sind da auch wieder Süßigkeiten dabei.
Es war ein sehr intensiver Tag mit zutiefst berührenden menschlichen Begegnungen und Erlebnissen. Am Vormittag haben wir anhand von Listen, die wir von den Helfern im Lager bekommen haben, in erfüllend fröhlicher Kleinarbeit die gewünschten Schuhgrößen aus den vielen Schachteln auf den fünf vollen Paletten herausgesucht. Diese Arbeit ist ziemlich zeitaufwendig, aber ich weiß, dass mit einem Lächeln im Gesicht alles leichter und besser von der Hand geht. Ich dachte dabei an die vielen Füße der Menschen, denen mit den neuen Schuhen Gutes getan wird. Die hunderte, ja oft tausende Kilometer in ausgelatschten Turnschuhen unterwegs gewesen sein mussten.
Günther hatte eine lange Liste auf seinem Mobiltelefon. Er sagte mir die Namen und Schuhgrößen der künftigen Besitzer an. Ich begann die Suche, nicht nur einmal befand sich die richtige Schuhgröße in der untersten Schachtel auf der Palette, aber was soll´s... und nachdem ich fündig wurde, klebten wir ein Pickerl mit dem Vornamen auf jede Schuhschachtel. Danach drückte mir Günther einen großen Plastiksack in die Hand, in den ich die Schuhschachteln schlichtete. Darauf wurde wiederum ein Pickerl mit der Nummer des Zeltkontainers geklebt. Es waren fröhliche Stunden gemeinsamen Werkens.
Um die Mittagszeit hat uns Jannis, der Fahrer, mit dem Van ins Lager gebracht. Zuerst wurde das Essen ausgeteilt. Danach machte ich mich zusammen mit der herzenslieben Amira und zwei weiteren lieben Damen auf den Weg zu den Kontainern. Wir waren sozusagen "schuhvollbeladen". Amira und die zwei Damen sind drei der vielen Helferinnen im Lager, die jeden Winkel und jedes Zelt kennen.
Es waren, wie eingangs erwähnt, unbeschreiblich berührende menschliche Begegnungen, die ich erfahren und erleben durfte. Wenn man die ausgelatschten, kaputten Latschen sieht, die vor den Eingängen der Container herumliegen, kann man sich etwas leichter die unendliche Freude der Menschen vorstellen, die sie über die neuen Schuhe haben. Selbst Kinder, die noch keine bekommen haben, bettelten darum. Wir mussten sie vorerst vertrösten und um etwas Geduld bitten und haben versprochen, dass sie bald an die Reihe kommen.
Dann war da auch noch dieses herzzerreißend liebe Mädchen Beheshta, das an einer Muskelkrankheit leidet und nicht einmal mehr in der Lage ist, aufzustehen. Beheshta sitzt einfach nur da, auf dem Boden vor dem Eingang des Kontainers. Als mich das Mädchen erblickt sieht es mich einem bezaubernden Lächeln an und ich durfte Behashta sogar in meine Arme nehmen. Günther meinte, dass es in Österreich medizinische Möglichkeiten geben würde, dem Mädchen zu helfen. Und ich überlege seitdem intensiv, wie wir das bewerkstelligen und ermöglichen können. Der Name Beheshta bedeutet übrigens "Paradies".
Als wir gerade mitten in der Verteilung waren, kam Günther und sagte mir, dass Nikos angerufen hat und sagte, wir müssen gleich abfahren und die Arbeiter im Olivengarten abholen. In diesem Moment war mein Platz aber hier im Lager bei den Menschen und so habe ich mich dazu entschlossen, nicht mitzufahren, sondern zusammen mit "meinen" drei lieben Damen mit der Verteilung der Schuhe weiter zu machen. Gesagt getan.
Nach getaner Arbeit haben wir noch ein gemeinsames Foto gemacht. Danach machte ich mich zu Fuß auf den Weg nach Mytilini, worüber ich sogar sehr froh war, denn die zweistündige Wanderung hat mir sehr gut getan. An einem Strand habe ich dann auch noch einen schönen Stein gefunden, den ich mit nach Hause nehmen werde und auf den meine liebe Freundin Brigitte Baldrian eine Friedenstaube malen wird. In Mytilini habe ich im Restaurant Martano herrliche Gemüselaibchen und einen Salat genossen und mich dann auf den Weg zu meiner Unterkunft gemacht, wo ich müde, aber glücklich und zufrieden ins Bett gefallen bin.
Liebe Freunde, nachdem ich mich morgen um 12:00 Uhr von Mytilini auf die Reise nach Athen machen werde, ist es heute hier mein letzter ganzer Tag. Es wird bestimmt wieder ein Tag mit vielen Ereignissen und Erlebnissen. Das bedeutet aber auch, dass dieser Blog nach dem morgigen Tag eigentlich beendet sein würde. Falls Ihr den Wunsch habt, dass ich mit meinen täglichen Berichten weitermachen sollte, dann gebt mir bitte entweder per E-Mail (o_trompeter@yahoo.de) oder auf dieser Webseite im Gästebuch Bescheid. Ich wäre jedenfalls bereit und würde das gerne für Euch machen, ich will mich aber auch nicht aufdrängen.
In Athen werde ich einige Tage bei meinen Freunden verbringen und danach will ich mich für einige Zeit in das kleine Dorf Falanthi in das Häuschen meiner Freunde zurückziehen und an meinen Projekten weiterarbeiten und vor allem möchte ich versuchen, mich etwas zu erholen - am Saga-Strand von Koroni - Muscheln und Herzerlsteinchen suchen, einfach am Strand sitzen und aufs Meer hinausblicken und... wenn Ihr dabei sein wollt, lasst es mich bitte wissen und Euch überraschen.
Aber jetzt steht noch ein arbeitsreicher Tag bevor...
...aus dem nichts geworden ist.
Denn eigentlich wollte ich ja noch einmal den ganzen Tag mithelfen und im Lager Hilfsgüter verteilen, doch Nikos hatte andere Pläne mit mir. Zuerst habe ich mich ja, muss ich ehrlich zugeben, sogar ziemlich geärgert über diese Programmänderung, doch so nach und nach wurde mir bewusst, was es damit auf sich hatte.
Nikos ist mit mir nach Skála Sikaminéas gefahren, jenem paradiesischen Ort, wo die Entfernung zur Türkei am kürzesten ist. Mein Freund berichtete mir, dass seit dem Beginn der Flüchtlingskrise im Jahr 2015, also seit zehn Jahren, allein hier an diesem Ort, mehr als eine Million geflüchtete Menschen angekommen sind. Niemand kann jedoch sagen, wieviele Menschen, auch Kinder, auf diesen wenigen Kilometern zwischen der Türkei und Griechenland im Meer ertrunken sind.
Ich fragte Nikos natürlich, wie die wenigen Dorfbewohner dazu stehen und wie aus sder Pistole geschossen kan seine Antwort: Die Stimmung ist nie gekippt. Die wenigen Dorfbewohner nehmen die Menschen immer noch liebevoll auf und versorgen sie mit Wasser und Lebensmitteln, bevor sie ins Flüchtlingslager transportiert werden. Spätestens jetzt war ich heilfroh und meinem Freund dankbar, für seine spontane Programmänderung.
Die kleine, malerische gelegene Kapelle über dem Hafen ist ein schönes Beispiel für die Verknüpfung antiker Mythen mit der christlichen Religion. Das Kirchlein ist nämlich einer Art Meerjungfrau mit Mariengesicht geweiht, die einst hier aufgetaucht sein soll. Überall im Ort begegnet man auch diesen Bildern. Auf Wänden in Form eine Mosaiks, auf Tavernentischen...
Am Strand dieses Ortes, der mit so vielen menschlichen Schicksalen verbunden ist, habe ich schließlich auch gefunden, wonach ich seit meiner Ankunft gesucht habe. Einen Stein, den meine liebe Freundin Brigitte Baldrian mit einer Friedenstaube bemalen wird und den ich dann bei meiner nächsten Benefizveranstaltung gegen eine freiwillige Spende verschenken werde.
Nach diesem Ausflug ist Nikos über Agía Paraskeví direkt zum Olivengarten gefahren, dort wurden die prall gefüllten Säcke ins Auto geladen, danach ging es direkt zur Ölmühle, wo ich das erste Mal miterleben durfte, wie aus den Oliven Öl wird.
Am späten Nachmittag haben wir gemeinsam mit Günther ein letztes Mal vor meiner Abreise in der Taverne Xana Mana herrlich gespeist.
Zum heutigen Abschied hat mir Nikos noch ein kleines Fläschchen seines frisch gepressten Olivenöls geschenkt. Am Abend, kurz vor dem Schlafengehen, habe ich Weißbrot in dieses frische Öl eingetunkt und war mit einem Male im Paradies. Ein wunderschöner Abschluss.
Es sind meine letzten Stunden hier auf Lesbos. Unzählige Eindrücke, neue Erfahrungen, unvergessliche menschliche Begegnungen, lachen, aber auch viele Tränen, glückliche Momente, Freude, Trauer, Wut, auch Zorn... So vieles in so kurzer Zeit. Es wird lange dauern, bis ich all das in meinem Herzen unterbringen kann.
Es war schön, Euch von meiner Reise berichten zu dürfen, über ein Wiedersehen mit Euch - vielleicht bei einer meiner nächsten Benefizveranstaltungen oder einer Buchpräsentation würde ich mich sehr freuen.
In diesem Sinne verabschiede ich mich nun von Euch und sage noch einmal von ganzem Herzen: